Drei alte Anlagen des Kalten Krieges befinden sich in Contipark-Tiefgaragen

„Massive retaliation“ oder „flexible response“: Diese Grundsätze der Nato-Doktrin im Kalten Krieg beinhalteten immer auch schlimme Folgen für die Zivilbevölkerung. Ob „massive Vergeltung“ oder „flexibler Gegenschlag“, immer wären zahllose Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen worden. Das lag sicher auch daran, dass es in der Bundesrepublik viel zu wenige Schutzräume gab – in West-Berlin hätten etwa von über zwei Millionen Einwohnern nur 24.641 Personen oder ein Prozent einen sicheren Platz in einem Bunker bekommen. Nach dem Fall der Mauer wurden auch diese wenigen Anlagen deaktiviert. Die meisten dieser Relikte des Kalten Krieges werden mittlerweile ausschließlich zivil genutzt. Drei Anlagen befinden sich in Tiefgaragen, die von Contipark betrieben werden.

Bunkeranlage im Kudamm-Karree in Berlin-Charlottenburg

Anfang der 1970er Jahre entstand in der Mauerstadt Berlin der Gebäudekomplex „Kudamm Karree“, in dessen Untergrund auch ein ziviler Schutzraum installiert wurde. Er wurde aus dem Parkdeck im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage errichtet. Er sollte fast 3.600 Menschen Schutz bieten – auch bei einer Atombombenexplosion in anderthalb Kilometer Entfernung. Gottseidank ist dieser Ernstfall nie eingetreten. 14 Tage lang hätte der Bunker den Insassen Schutz geboten – danach wäre der Diesel für die Generatoren verbraucht und damit die Stromversorgung und Frischluftzufuhr unterbrochen gewesen. Um nicht so viel wertvollen Sauerstoff zu verbrauchen, sollten die Schutzsuchenden in den vierstöckigen Etagenbetten liegen bleiben. Außerdem verfügt die Anlage neben Waschräumen, Toiletten, Personal- und Krankenräumen auch über eine Notküche, die kalte Speisen verteilt hätte. 2011 wurde der Dieselkraftstoff endgültig vom Bezirksamt entfernt. Der Bunker ist jetzt nur noch Garage und Museum.

City Center Fürth

Seit 2003 betreibt Contipark die Tiefgarage unter dem City Center Fürth. Das Besondere an dieser Anlage sind die beiden Schutzräume in fast 20 Metern Tiefe. Fast 5.000 Menschen finden in der zum ABC-Bunker ausgebauten Anlage Platz, der größten in Fürth. Schon im Zweiten Weltkrieg wurde der ehemalige Eis- und Lagerkeller als ziviler Luftschutzraum genutzt, aber erst in den 1980er Jahren zum Atombunker ausgebaut. Auch diese Anlage ist mittlerweile außer Dienst und kann besichtigt werden – von der imposanten Lüftungsanlage, die quer unterhalb des City Centers verläuft, bis hin zu den technischen Einrichtungen, die das Überleben von 5.000 Menschen unter der Erde 14 Tage ermöglichen sollten.

Essen Hindenburgstraße

In Essen gibt es ebenfalls ein Parkhaus mit angeschlossenem Bunker, der Schutz für rund 2.200 Personen bieten sollte. Wann die Zivilschutz-Mehrzweckanlage in der Hindenburgstraße erbaut wurde, ist völlig unbekannt. Seit 1979 wird das dazugehörige Parkhaus von Contipark betrieben. Die Bunkerräume waren jedoch immer fest verschlossen. Sie wurden vom Katastrophenschutz verwaltet. Heute ist auch diese Anlage Geschichte, der Bunker stillgelegt. Die Türen sind nun nicht mehr verschlossen, aber welche technischen Anlagen und Ausstattung genau dahinter waren, bleibt geheimnisvoll, denn die Räume wurden besenrein hinterlassen.

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Veröffentlicht am: 27. Juni 2017Kategorien: Jubiläumsartikel 50Jahre Contipark0 KommentareAnsichten: 4704

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